Katrin
Heichel, 1972 in Leipzig geboren und dort
aufgewachsenen, studierte von 2000 bis 2005 an der Hochschule
für
Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Prof. Arno Rink.
2005 bis 2008 absolvierte sie bei Neo Rauch ihr Meisterschülerstudium
.
Die Ausstellung "VOTIV II" ist ihre dritte Einzelpräsentation in der Galerie
Frank Schlag & Cie.
"Die Bedeutung von Materialität ist im Werk von Katrin Heichel ebenso wiederkehrend,
wie ihre motivische Neigung populäre Bildwelten oder profane, spröde
Gegenstände in ihren Bildern zu verwenden. Beide Ebenen offenbaren in ihrer
Synthese den dahinter liegenden Sinn einer Aufwertung der ästhetischen
Stiefkinder durch die sinnliche Oberfläche, so dass sie wie Kostbarkeiten
wirken.
In den italienischen Votivstätten begegnete Katrin Heichel nun einer ästhetischen
Verwandtschaft: Wachsvotive von Körperteilen, Zettelchen, Bilder, die volkstümlich
verankert sind, führen dieses Reich der Materialität zu einer Gesamterscheinung,
die, nach den Worten der Künstlerin, ohne weiteres Biennale-würdig
sei. Von Hunderten und tausenden von Bitten und Anrufungen, die als physische
Hinterlassenschaft ein Exempel katholischer Materialpräsenz statuieren,
geht nicht nur eine visuelle Kraft aus, sondern der visuelle Reiz verweist unmittelbar
auf das dahinter liegende magische Ritual.
Katrin Heichel begibt sich in ihrem Zyklus Votiv nicht in eingefahrene Gleise
der Votiv-Ästhetik, sondern eignet sich weniger bekannte Symbole oder kuriose
Seiten von Heiligen an, um sie in vergleichsweise klaren Bildräumen umzudeuten
und mit ihrem persönlichen Leben zu verbinden.
So setzt sie etwa die Kröte, die als Symbol weiblicher Fruchtbarkeit an
die Votivtafeln angebracht wurde, in eine Infusionsflasche, oder formuliert das
Wachsbein (eine häufige Votivgabe) in ihren Bildern zur Prothese und verarbeitet
den Heiligenkult in der Person des Donatus, der in bestimmten Regionen Süditaliens
u.a. als Schutzheiliger behinderter Kinder verehrt wird.
Katholischer Mystizismus und der visuelle Ausdruck der Gläubigen bilden
somit ein gedankliches Gerüst der Ausstellung, wobei die Ästhetik der
Bilder Katrin Heichels durch die Klarheit der Bildräume eine erstaunliche
Distanz zu den Urbildern einnehmen, was auch der inhaltlichen Auseinandersetzung
entspricht, in der eine ganz eigene Sicht und Interpretation katholischer Materialpräsenz,
Heiligenverehrung und neuplatonischer Lichtmetaphysik vorgenommen wird."
© by Autor: Lu Potemka, Leipzig
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